18. August 2008

Küche 8/08 - Matjes meets Marketing

Drei Berufsschulteams kämpften im hohen Norden um den Sieg bei der Matjes-Meisterschaft von Friesenkrone und dem VKD. Die Herausforderung: Konzeption einer Aktionswoche mit allem, was dazu gehört.

„Selbst ich als alter Küchenprofi habe heute noch sehr viel dazu gelernt“, gestand Thies Möller bei der Siegerehrung ein. „Was ihr jungen Leute hier präsentiert habt, war erstklassig und ist für mich ein beruhigendes Zeichen, dass es mit der Gastronomie bald wieder nach oben gehen wird!“ Um es vorwegzunehmen: Hervorragend gekocht wurde bei der dritten Runde der Friesenkrone Matjes-Meisterschaft natürlich auch. Doch mindestens genauso wichtig für das Endergebnis war die Qualität der Konzepte für die Durchführung einer Matjes-Aktionswoche. Und genau dieser Ansatz machte den Reiz dieser Konkurrenz aus, die mehr sein sollte ein weiterer Rezept- und Kochwettbewerb. „Köche müssen natürlich hervorragend kochen können“, betonte denn auch Ctefan Wohlfeil, VKD-Präsident und Mitglied der Jury, „aber ohne betriebswirtschaftlich fundierte Gast- und Marketingorientierung geht es heute nicht mehr.“

Das innovative Wettbewerbskonzept ist das Ergebnis eines Brainstormings zwischen dem Verband der Köche Deutschlands in Person von Ctefan Wohlfeil, engagierten Berufsschullehrern, der Agentur The Food Professionals Köhnen sowie Hendrik Schwarz, Geschäftsführer der Heringsmanufaktur Friesenkrone aus Marne als Initiator und Sponsor.

Nachdem sich bei den ersten beiden Testrunden in den vergangenen Jahren die Auszubildenden zum Koch/zur Köchin noch mit Rezepturen bewerben konnten, waren jetzt erstmals Berufsschulklassen aufgerufen, eine Aktionswoche mit KRONEN-Matjes von Friesenkrone zu konzipieren. Zur Aufgabe gehörten eine theoretische Beschreibung des Konzeptes, die Entwicklung der Gerichte – inklusive Speisekarte, die fachgerechte Kalkulation der Rezepturen, die Gestaltung der Tischdekoration sowie das Entwerfen von Werbemitteln wie Flyern, Tischaufstellern, Plakaten oder Responsekarten zur Gästebefragung. „Derartige Projekte sind Bestandteil eines handlungs- und produktorientierten Unterrichts“, sagt Ctefan Wohlfeil, „daher sind Lehrer und Schulen dankbar, wenn sie bei deren Umsetzung mit kompletten Lehrpaketen und Unterlagen zur Warenkunde sowie Produkten unterstützt werden.“

Bereits bei der Premiere reichten 14 Klassen ihre Konzepte ein, von denen drei Teams die Einladung für die Finalrunde in Dithmarschen erhielten. Bei der Auswahl fielen folgende Kategorien besonders ins Gewicht:

  • Kreativität bei der Konzeptidee und der Werbemittel
  • Innovationsgrad der Rezepturen im Vergleich zu traditionellen Matjesgerichten
  • Einbindung des Grundproduktes KRONEN-Matjes von Friesenkrone als Mittelpunkt des Gerichtes
  • kalkulierbare Umsetzung der Rezepturen


Über die Ticktes inklusive Hotelaufenthalt an die Westküste konnten sich schließlich die Teams aus Münster (Adolph-Kolping-Berufskolleg), Düren (Nelly-Pütz-Berufskolleg) und Gießen (Willy-Brandt-Schule) freuen. Nach einer Betriebsführung durch die Produktion von Friesenkrone ging es ins Berufsbildungszentrum in Meldorf, dessen Team unter der Leitung von Studiendirektor Mirko Duschinsky für diesen Wettbewerb seine Küche zur Verfügung stellte. Innerhalb von 90 Minuten bereiteten die Teilnehmer jeweils zwei Matjes-Kreationen zu und deckten ihre Mustertische inklusive Werbemitteln ein. Anschließend bekamen die Teams die Gelegenheit, der Jury – hochkarätig besetzt mit VKD-Präsident Ctefan Wohlfeil, Thies Möller (Fernsehkoch und ehemaliger Berufsschullehrer), Friederun Köhnen (The Food Professionals Köhnen AG) und Karl-Heinz Westphal (Produktentwickler Friesenkrone) – ihre Aktionswochen im Detail zu erklären.

Knapp die Nase vorn hatte am Ende das Team aus Münster (Preisgeld: 1.000,-- Euro) mit Luisa Theiselmann, Henning Unnerstall, Phillip Schmidt, Kai Droste und ihrem Lehrer Norbert Müther. Obwohl in der Praxis die Zubereitung des Rote-Bete-Kaviars mithilfe der molekularen Küche misslang, wussten sich die Nachwuchsköche zu helfen. „Statt zu resignieren, habt ihr einfach Rote Bete fein gewürfelt“, lobte Thies Möller das Krisenmanagement, „es hat uns Juroren gefallen, wie ihr mit dieser Panne offensiv umgegangen seid.“

Nur einen Wimpernschlag dahinter auf den zweiten Platz (Preisgeld: 500,--Euro) landeten Jasmin Will, Jeldrik Seibert, Alexander Russo, Andre Döring, Tobias Gerschewski mit ihrem betreuenden Fachlehrer Pierre Meyer aus Gießen. Sie überzeugten vor allem durch die Qualität der Werbemittel, die mit dem grafischen Bereich der Berufsschule umgesetzt worden waren. „Da Köche nicht alles können müssen, ist es vorbildlich, wie ihr euch Hilfe von Außenstehenden geholt habt“, lobt Ctefan Wohlfeil die Mannschaftsleitung.

Viel Anerkennung gab`s auch für Thomas Kreutz, Daniel Warkentin, Patrick Ibba, Florian Heuft und Jochen Breuer und Fachlehrerin Regine Otremba-Hollerl aus Düren: Das Team hatte seine Aktionswoche nicht nur auf dem Papier konzipiert, sondern im Schulrestaurant in die Praxis umgesetzt. Der dritte Platz unter 14 Berufsschulen (Preisgeld: 250,-- Euro) ist umso bemerkenswerter, weil es sich bei den Dürenern um Berufsgrundschüler handelt, deren Ausbildung erst noch bevorsteht. „Vor allem eure mit Matjes gefüllte Ofenkartoffel war genial“, schwärmte Ctefan Wohlfeil. „Dieser Wettbewerb zeigt, dass Schüler mehr leisten können, als vielfach angenommen wird.“
Gut zu wissen: Aufgrund der positiven Resonanz bei Berufsschulen, Lehrern und Schülern geht der Wettbewerb im Herbst in die nächste Runde.


Druckversion